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Leben

Fische sind Scheiße – Ein bescheidener Blick auf unsere Schwimmenden Freunde

Der Mensch hat eine ambivalente Beziehung zu Fischen. Während sie in Aquarien und auf Tellern glänzen, bleibt oft unklar, was wir wirklich über sie denken.

Anna Becker13. Juni 20263 Min. Lesezeit

Ich sitze am Ufer eines Sees, die Sonne bricht sich in den sanften Wellen, während sich ein paar Fische an der Oberfläche tummeln. Ihre Bewegungen sind elegant, fast hypnotisch. Ich erinnere mich an Zeiten, in denen ich stundenlang am Wasser sitzen konnte, um die Zierlichkeit dieser Tiere zu bewundern. Gleichzeitig kommt mir jedoch der Gedanke: Was sind Fische für uns, wirklich? Nur Dekoration in einem Aquarium oder eine Mahlzeit auf dem Teller? Und wenn ja, was sagt das über uns aus?

In der Freizeit verbringen viele Menschen gerne Zeit mit dem Angeln, als ob man durch die Ergreifung eines Fisches eine Art Verbindung zur Natur herstellt. Doch ich frage mich, ist das wirklich der Fall? Angeln kann oft wie ein Wettkampf erscheinen, einer, in dem der Mensch gegen das Tier antritt, wobei der Fisch als Trophäe betrachtet wird. Wo bleibt da die Ehrfurcht vor dem Leben, das wir vermeintlich bewahren wollen? Wenn ich darüber nachdenke, wird mir mulmig. Fische sind lebendige Kreaturen, doch so oft reduzieren wir sie auf Sport- und Küchenware.

Die Meinung, dass Fische "Scheiße" sind, ist provokant, und möglicherweise habe ich diese Formulierung gewählt, um ein wenig zu schockieren. Aber so wie ich sehe, gibt es in unserer Wahrnehmung von Fischen eine gewisse Heuchelei. Auf der einen Seite bewundern wir ihre Schönheit und Komplexität; auf der anderen Seite geben wir vor, sie zu schätzen, obwohl unsere Handlungen oft das Gegenteil zeigen. Das Bild des leidenden Fisches, der an einem Haken hängt, ist in der massiven Produktion und dem Konsum von Fischfleisch überall präsent, und doch verschwindet die Realität oft hinter dem Deckmantel des Gourmet-Essens.

Wenn ich mit Freunden über Fisch spreche, höre ich oft, dass „nachhaltiger Fisch“ das neue Zauberwort ist. Das klingt gut. Aber was bedeutet das wirklich? Können wir sicherstellen, dass die Fische, die wir konsumieren, unter humane Bedingungen gefangen oder gezüchtet werden? Und sind wir bereit, die Verhältnismäßigkeit zu betrachten? Viele von uns, die Fisch als Teil ihrer Ernährung betrachten, tun dies, ohne darüber nachzudenken. Ist es uns wirklich bewusst, dass jede Entscheidung, die wir treffen, nicht nur Auswirkungen auf unseren Körper, sondern auch auf die Ökosysteme hat, die uns umgeben?

Es gibt Berichte, die beschreiben, wie die Überfischung unsere Ozeane bedroht, und ich muss zugeben, dass ich oft die Augen davor verschließe. Diese Geschichten scheinen weit weg zu sein, wenn ich in einem Restaurant sitze und einen Teller mit gegrilltem Lachs vor mir habe. Die Frage, die ich mir stelle, ist: Kann ich wirklich ein bewusstes und ethisches Leben führen, während ich weiterhin Fische genieße? Es ist diese innere Zerrissenheit, die mir beim Genuss von Fisch immer wieder ins Gewissen redet.

Die Ambivalenz, die wir empfinden, spricht Bände über die menschliche Natur. Wir wollen uns mit der Natur verbunden fühlen, zugleich jedoch das, was wir konsumieren, rationalisieren. Ich kann nicht anders, als mich zu fragen, warum ich Fische und andere Meerestiere als „Scheiße“ abtue, wenn ich auch weiß, dass sie ein wichtiger Teil des Ökosystems sind, des Lebens, das mich umgibt. Es ist eine klare Kluft zwischen Bewusstsein und Verhalten, in der wir uns fallen lassen.

Wenn ich an den See zurückdenke und die glitzernden Fische im Wasser beobachte, frage ich mich, ob ich bereit bin, die Beziehung zu diesen Tieren zu hinterfragen. Vielleicht sind sie doch mehr als nur der Teller, auf dem sie landen oder die Haken, die sie fangen. Sie sind Teil eines größeren Ganzen. Es ist an der Zeit, nicht nur über die Fische zu sprechen, sondern auch über die Verantwortung, die wir gegenüber ihnen und dem restlichen Planeten haben. Und in dieser Verantwortung steckt der wahre Wert des Lebens, auch wenn es manchmal unbequem erscheinen mag.

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